Mensch und Windkraftanlagen

Die geplanten Windkraftanlagen im Ratzenrieder- und Siggener Wald beeinträchtigen die Bürger in hohem Maße in ihrer Lebensqualität.

Abstände der Windräder zum Menschen und zur Besiedelung

Hier sollen 300 Meter hohe Windräder ( so hoch wie der Eiffelturm ) in unsere Waldgebiete gebaut werden.
Der Abstand soll zu den nächsten Wohngebäuden 600 Meter betragen, der Abstand zu Siedlungsbereichen, Wohngebieten 750 Meter.
Der tatsächlich Abstand dieser Windkraftanlage beträgt allerdings nur 515 Meter: Da sich die Mindestabstände vom mittigen Fußpunkt des Windrades definieren, ragt das Rotorblatt um 85 Meter in die Anrainergrundstücken hinein. Also nur 515 Meter Mindestabstand wird eingehalten. Gerade an den Außenkanten des Rotorblattes kommt es aber zu pulsierenden, im Takt des Windschöpfens, zu erhöhter Lärmbelästigung.

In den einzelnen Bundesländern sind unterschiedliche Mindestabstände von Windkraftanlagen vorgeschrieben. Hier einige Beispiele:

In Sachsen 1000 Meter zu Wohngebäuden, wobei für kleinere Anlagen mit einer Höhe bis zu 150 Meter, 750 Meter Mindestabstand gelten. Für höhere Anlagen gelten 1000 Meter Mindestabstand.
In Nordrhein-Westfalen gilt die Regelung ( vom 3.9.2023 ) 3 x Höhe. Das bedeutet für ein 300 Meter hohes Windrad ein Mindestabstand von 900 Meter zu Wohngebäuden.
In Bayern galt bis vor kurzem die Abstandsregelung 10 x Höhe. Das wäre bei einem 300 Meter hohem Windrad ein Mindestabstand von 3000 Meter zu Wohngebäuden. Jetzt wurde dieser Wert allerdings auf 1000 Meter reduziert.     

Es stellen sich nun die Fragen
– Warum gelten in den verschiedenen Bundesländern unterschiedliche Regelungen zu den Mindestabständen?
– Warum werden die Abstände zu Wohngebäuden immer kleiner?
– Warum wird in Baden-Württemberg die Höhe der Windräder nicht berücksichtigt?

Die Antwort lautet:
Es geht nur noch darum, die Zielvorgaben der Regierung durch die Regionalverbände um jeden Preis umsetzen zu lassen!

Dafür wird das Grundgesetz ausser Kraft gesetzt: GG Artikel 3 ( Gleichheitsgrundsatz, Gleichberechtigung ) „Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.“

Es ist aber so, dass in Baden-Württemberg die Menschen offensichtlich weniger wert sind als zum Beispiel die Menschen in Bayern, in Sachsen oder in Nordrhein-Westfalen. Hierzulande gelten andere Wertigkeiten. Auch sind angeblich Menschen, die in Wohngebäuden ausserhalb einer Siedlung leben, weniger schützenswert als Menschen, die in Siedlungen leben (600 Meter gegenüber 750 Meter).

Durch die geringeren Mindestabstände zu den Windkraftanlagen kommt es für die Baden-Württemberger zu negativeren Beeinträchtigungen, als vergleichsweise für Bewohner in anderen Bundesländern. So z.B. bei den Gesundheitsproblemen und Gesundheitsrisiken, durch verstärkten Lärm, Schattenwurf, Lichtverschmutzung, usw. 

Die bedrängende Wirkung der riesigen Windräder ist noch extremer, je näher der Mensch dort wohnen muss. Unerträglich und unvorstellbar, dass diese Giganten Tag und Nacht auszuhalten sein sollen! Kilometerweit sichtbar und in weiter Entfernung noch störend hörbar gibt es kein optisches und akustisches Entkommen. Man fühlt sich ihnen ausgeliefert.

GG Artikel 2, Absatz 1 sichert das Recht auf die körperliche Unversehrtheit zu.

Dieses Recht wird ausgesetzt und zudem in den verschiedenen Bundesländern anders gehandhabt (größerer Abstand, weniger Belastung).

Fazit: Es wird alles ohne Rücksicht auf Mensch und Tier irgendwie und unterschiedlich passend gemacht. Dabei werden unsere Ökosysteme zerstört und in unserem wertvollsten CO2- Speicher, dem Wald und dem Waldboden, sollen Industriegebiete gigantischen Ausmaßes entstehen. Der Erholungswert in Wald und Flur ist dabei dann gleich Null.

Zerstörung des Landschaftsbildes

Die einmalige Landschaft Argenbühls und im Besonderen die wunderschöne Landschaft um Ratzenried und Siggen, gekennzeichnet durch die sanften Hügel, die zahlreichen kleinen Seen und Weiher, Moore, Bachläufe und Wälder wird von Einheimischen und natürlich auch von Touristen hoch gelobt und wertgeschätzt. Besondere Orte sind unter anderen die Siggener Höhe und der Bergmichelplatz bei Siggen mit ihrer traumhaften Aussicht. Auch der Knobelberg bei Mittelried und das Kögeleck bieten einen wunderbaren Rundblick, sehr beliebt bei Einheimischen als auch bei Touristen.

Einzigartig in ihrer Schönheit und Besonderheit hat die Landschaft hohen ästhetischen Wert und steht für Biodiversität, Artenvielfalt, Flora und Fauna. Jahrhunderte alte Eichen ( ca. 300 Jahre alt ) stehen auf dem Damm vom ehemaligen Klinglerweiher, sozusagen als Willkommensgruß am Eingang zum Dorfer Wald. Unmittelbar angrenzend daran ist ein flächenhaftes Naturdenkmal, wo gerade jetzt viele Schlüsselblumen und Sumpfdotterblumen blühen, im Herbst dicht an dicht Herbstzeitlose.

Der Klinglerweiherbach schlängelt sich vom ehemaligen Klingler Weiher entlang am Dorfer Wald, wo sich Biber angesiedelt haben und für die Wiedervernässung der angrenzenden Wiesen sorgen, ganz kostenlos. Feuchtwiesen mit seltenen Blumen wie z.B. Knabenkraut, Blutweiderich, Sumpfdotterblumen, Frühlingsenzian, kleiner Baldrian und viele mehr, grenzen an den Dorfer Wald und unterstreichen die bewundernswerte Natur.

Viele FFH-Gebiete befinden sich hier und in unmittelbarer Nähe, wo seltene Vogelarten, Amphibien, Schmetterlinge, Insekten, Wildtiere und viele andere Tiere beheimatet sind und deren Beobachtung Freude und Ruhe spenden können. Streuobstwiesen mit alten Sorten und auch neu gepflanzte hochstämmige Obstbäume werden gepflegt und sind für Mensch und Tier eine Labsal.

Ein FFH-Gebiet soll zur Vorrangfläche für Windkraftanlagen werden ???

Das Waldgebiet Ratzenried und Siggen ist unverständlicher Weise als Vorranggebiet für drei Windkraftanlagen ausgewiesen worden.Die Eigenart einer Landschaft, die Vielfalt, die ästhetischen Qualitäten und der Naturschutz werden nachteilig verändert.

Es kommt zu negativen Auswirkungen auf das Landschaftsbild, auch auf geologische, typographische und ornithologische Aspekte. siehe: https://www.lubw.de

Durch die Baumaßnahmen der Windkraftbetreiber kommt es zu einem Verlust an Vielfalt der Fauna, der Vegetationsvielfalt, der Reliefvielfalt und an Erlebnisvielfalt. Aus kleinen beschaulichen Weglein werden breite befestigte Strassen, die als Transportwege für die schweren Baufahrzeuge und die Windräder gefordert sind. Riesige Fundamente aus Stahlbeton und Betonflächen zerstören den Wald.

Der Standort mit seiner Umgebung verliert an Naturnähe und bekommt einen ganz anderen Charakter: Durch die 300 Meter hohen geplanten Windräder wird der Wald, die Natur und die Landschaft zu einem erdrückenden Industriegebiet.

Bedrängende Wirkung der Windkraftanlagen

Die äusserst unangenehme und bedrängende Wirkung der hohen Windkraftanlagen mit ihrer Lärmemission und ihrer Lichtverschmutzung in der Nacht sind in dieser unberührten, besonderen Land- und Kulturlandschaft unerträglich und führen hier zu großen Konflikten: Ein Naturerlebnis wird durch die Windräder unwiederbringlich zerstört. Die Harmonie der natürlichen Landschaft wird verschandelt.

Die hier ansässigen Bewohner suchen Stille, hören gerne dem Blätterrauschen und dem Vogelgezwitscher zu und möchten Naturbeobachtungen erleben.

Als Naherholungsgebiet sind diese Gebiete zum täglichen Stressabbau in unserer immer schneller werdenden Welt unerlässlich für die Bürger. Durch die Nähe  zum Wald und zu den Wiesen sind täglich und zu allen Jahreszeiten Erholungsuchende unterwegs und finden dort Entspannung.

Der sanfte Tourismus hier in Argenbühl würde durch die geplanten Windkraftanlagen nachhaltig gestört oder möglicherweise ganz zum Erliegen kommen: sucht der Tourist doch genau das was zerstört werden soll!! Dies hat wiederum Auswirkungen auf die gastgebenden Betriebe und deren Arbeitsplätze.

Fazit: Die liebliche Landschaft mit ihrer besonderen Schönheit wird für immer zerstört und ist nicht mehr erlebbar für künftige Generationen.

Aussichtspunkte

Die Region Bodensee – Oberschwaben weist eine Reihe von Landschaften mit herausragender Bedeutung auf. Dies trifft auch für Argenbühl zu.

So ist die Siggener Höhe ein über die Region hinaus bekannter Aussichtspunkt , der viele Besucher anzieht . Die Aussicht auf die Alpen und das Alpenvorland ist einmalig. Eine weitestgehend intakte Natur im direkten Umfeld lädt zu Wanderungen und Erholung ein.

Dies hat auch der Regionalverband Bodensee Oberschwaben erkannt. In einer gutachterlichen Bewertung vom 25.08.2023 kommt das Planungsbüro PAN zum Thema Landschaftsbild zu einem bemerkenswerten Ergebnis (das Gutachten wurde vom Regionalverband in Auftrag gegeben).

Erhebliche Beeinträchtigungen durch Windkraftanlagen sind im Umfeld von Aussichtspunkten zu erwarten (S. 2).

In der Bewertung des Institutes PAN wird eine hohe Empfindlichkeit gegenüber WKA im Umfeld der zahlreichen Aussichtspunkte im südlichen Allgäu z. B Waldburg, Schloss Zeil, Schwarzer Grad  und Siggener Höhe bei Wangen ausgewiesen (S. 70).

Das Institut PAN führt eine Bewertung der Empfindlichkeit gegenüber von WKA in einer Tab 18 aus, wo eine überdurchschnittliche Empfindlichkeit in der Stufe 4 für die Siggener Höhe ausgewiesen wird.

Trotz dieser eindeutigen Aussage befasst sich der Regionalverband mit der Planung einer Vorrangfläche für WKA in unmittelbarer Nähe zur Siggener Höhe.

Fazit: Der Schutz einer seit Jahrhunderten authentischen Landschaft muss unbedingten Vorrang haben gegenüber einer fragwürdigen Energiegewinnung im windarmen Allgäu.

Naturschönheiten

Die Natur übt nachweislich eine faszinierende Wirkung auf uns Menschen aus. Grüne Landschaften, Wälder und Gewässer wirken dabei besonders entspannend. Natur tut gut, sagt man.

Wenn Menschen sich in der Natur aufhalten, sind sie glücklicher und erleben mehr positive Emotionen wie Dankbarkeit, Ehrfurcht, Verbundenheit, Vitalität.

Eine intakte Umwelt und der Aufenthalt in der Natur bringt Entspannung und fördert das Wohlbefinden. Körper und Psyche erfahren einen positiven Effekt. Naturräume sind wichtig für unsere Erholung und dienen uns zum Stressabbau.

Gerade in Argenbühl, in der Umgebung des Dorfer- und Siggener Waldes können wir diese positiven Erfahrungen machen: Die Schönheit der Natur ist hier vielerorts noch erlebbar.

Aus dem Reichtum an Naturschönheiten in unserer allernächsten Nähe werden hier nur beispielhaft genannt:

Der Reuteweiher, der Neuweiher, der Buchweiher (als FFH Gebiet ausgewiesen)

Der Schlossweiher bei Siggen mit seinem traumhaften Blick in die Alpen.

Die alten Eichen, Naturdenkmale, auf dem Weg von Ratzenried kommend in den Dorfer Wald und zum ehemaligen Klingler Weiher.

Die heilsame Linde, über vierhundert Jahre alt, mit einem Stammumfang von circa 9,50 Metern.

Als Naturschönheiten kann man aber auch einzelne Blüten, Käfer, Schmetterlinge und andere Insekten bezeichnen, welche bei genauer Betrachtung und intensivem Blick ein Wunder an Ästhetik für uns bereit halten.

Fazit: Bewahren wir für uns und kommende Generationen all diese kostbaren Schätze.

Flora und Fauna

Von den Begriffen Naturschutz, Biodiversität, Artenvielfalt, Flora und Fauna, Biotopvernetzung, Waldpflege, Moore, Quellen, Gewässer ist viel die Rede. Die Aufmerksamkeit der Bürger soll darauf gelenkt werden und deren Dringlichkeit ins Bewusstsein der Menschen gebracht werden.

Die Natur bedarf des besonderen Schutzes von uns allen!

So wurde der 3.3.2024 zum Tag des Artenschutzes erklärt.
Zum Tag des Waldes wurde der 21.3.2024.
Der Waldboden ist Boden des Jahres 2024.

Traurige Tatsache ist jedoch, dass 1 Million Tier-und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht sind. Es ist das größte Massensterben seit 66 Millionen Jahren. Täglich sterben etwa 150 Arten, Tiere und Pflanzen, weltweit aus und kehren nie wieder zurück.

Zur Biodiversität gibt es Studien, eine davon ist die „Krefelder Studie“. Sie befasst sich mit den Auswirkungen des Verlustes der Biodiversität. Ein Beispiel daraus zitiert:
„In Deutschland gab es in den vergangenen 30 Jahren mehr als 75% Verlust an Biomasse bei Fluginsekten. Kein Wunder, dass wir möglicherweise 600 Millionen Vögel weniger haben als vor einigen Jahrzehnten.Das heißt, um uns herum stirbt die Natur. Dies ist eindeutig von Menschen verursacht.“

Seit 20 Jahren ist im Bundesnaturschutzgesetz verankert, dass 10% der Fläche eines Bundeslandes für Biotope zur Verfügung zu stellen sind. Diese Regelung des Bundesnaturschutzgesetzes wird jedoch nicht umgesetzt.

Professor Dr. Matthias Glaubrecht – Evolutionsbiologe und Professor für Biodiversität – und Professor Dr. Josef Settele – Naturschutzforschung und Ökologie

Beide forschen seit langem an diesen Themen. Einige Erkenntnisse aus deren Forschungsergebnissen:

„Fehlende Lebensräume und deren Vernetzung sind ein Grund für den dramatischen Rückgang der Arten und ihrer Population.

Weitere Beispiele für die dramatischen Veränderungen: Ein Viertel der hiesigen Pflanzen- Pilz- und Tierarten gilt als gefährdet. Alle „geraubten“ Lebensräume stehen an erster Stelle der Hitliste des Sterbens.

Jede aussterbende Tier-oder Pflanzenart spielt eine funktionelle Rolle in ihrem Lebensraum. Fällt eine Art aus, wird die ökologische Verbindung abgebrochen, das Netz wird brüchig und reisst letztendlich ab. Es kommt zum Aussterben anderer Arten.


Irgendwann kippt das ganze Ökosystem.“

Pflanzen uns Tiere haben keine Lobby. Windkraftbetreiber allerdings schon. Sie zerstören für Profit.

In Anbetracht der schon seit langem bekannten Auswirkungen von Umweltzerstörung fühlt man sich diesem ignoranten Treiben gegenüber ohnmächtig.

Wie man sich im Land Baden-Württemberg und in der Gemeinde Argenbühl um unseren Naturschutz kümmert, sieht man anhand der nachfolgenden Beispiele:

Die Biotopkartierung des Kreises Ravensburg sind nicht aktualisiert worden, es fehlen die Kartierungen von FFH Gebieten, Weiher ( Neuweiher, Buchweiher, Reuteweiher, Rote Lach ), Quellhangmoore und die zahlreichen Quellen im Dorfer-und Siggener Wald.

Im Februar 2024 (!!!) wurde von der Gemeinde die Planung des Biotop-Verbundes beantragt. Warum erst jetzt?

Der Landschaftsplan von Argenbühl stammt aus längst vergangenen Zeiten, er ist 30 Jahre alt.

Durch diese Nachlässigkeiten ist ein Vorranggebiet für Windkraftanlagen ausgewiesen worden, obwohl es sich hier um Vorrangflächen für Natur- und Landschaftsschutz handelt.

Wie kann das sein? Es darf nicht sein, dass unsere wichtigsten Gebiete für die Erhaltung und Förderung der Biodiversität und Artenvielfalt, Flora und Fauna Habitat zerstört werden.

Fazit: Das Bundesnaturschutzgesetz wird nicht umgesetzt, bzw. aktiv dagegen verstoßen. Die EU- Richtlinien werden nicht umgesetzt. Das Grundgesetz Artikel 20a besagt: „Der Staat schützt auch in Verantwortung für künftige Generationen die natürlichen Lebensgrundlagen und die Tiere im Rahmen der verfassungsmäßigen Ordnung durch die Gesetzgebung und nach Maßgabe von Gesetz und Recht durch die vollziehende Gewalt und die Rechtsprechung“.

Wiesen und Felder

Überschrift

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Der Wald

Seit 2012 ist der Tag des Waldes  Aktion-und Thementag der Vereinten Nationen (www.tag-des-waldes.de)

Wälder schützen und nachhaltig nutzen, anstatt sie zu zerstören, lautet seitdem die Botschaft des jährlich überall auf der Welt begangenen Waldtages. Der Dorfer- und Siggener Wald bietet Mensch und Tier Erholung und Lebensraum. Die Stille des Waldes genießen Mensch und Tier gleichermaßen. Dem Vogelgezwitscher zu lauschen in guter frischer Luft dient uns zum Stressabbau und einfach auch zum Genuss. Die Vielfalt der im Wald beheimateten Tiere ist live erlebbar und bewundernswert.

Man sieht Wildtiere, wie zum Beispiel Rehe, Hasen, Füchse, Dachse, Biber. Die Biber haben sich am Waldrand, im Klinglerweiher Bach heimisch gemacht. Sie arbeiten hier kostenlos für mehr Artenvielfalt durch die Vernässung der angrenzenden Bereiche.

Singvögel, wie zum Beispiel Blau- und Kohlmeisen, Buchfinken, Bergfinken, Grünfinken, Spatzen, Misteldrosseln, Wacholderdrosseln, Amseln, Zaunkönige, Stiglitze, Fitis, Rotkehlchen, Grasmücken, Zilpzalp, Waldkauz, Ringeltauben, Türkentauben, Kuckuck, …alle erfreuen uns mit ihrem schönen Gesang.

Eichelhäher, Tannenhäher, Grünspechte, Buntspechte, Schwarzspechte…Falken, Bussarde, Habichte, Turmfalken, Rotmilane, Schwarzmilane….finden hier ihr Habitat.

Am Waldrand und an den nahe gelegenen Weihern und Bachlein sind Silberreiher, Graureiher, Schwarzstörche, Weissstörche, Eisvögel, Graugänse, Wildenten zu beobachten. Auf den feuchten Wiesen finden sie reiche Nahrung und Brutmaterial.

Reptilien, Eidechsen, Blindschleichen, Frösche und Kröten….sind hier anzutreffen. Verschiedene Fledermausarten fliegen in der Dämmerung los, um sich an Insekten zu laben.

Die Vielfalt der Flora bietet uns ihren lieblichen Anblick zur Augenweide und dient vielen Insekten als Nahrungsquelle. Die Artenvielfalt der Pflanzenwelt ermöglicht verschiedensten Schmetterlingen, deren Raupen und Verpuppungen, Wildbienen, verschiedensten Käfern und  Kleinstlebewesen ein Überleben.

Besondere und seltene, auch geschützte Arten an Pflanzen sind im Wald und auf den angrenzenden Wiesen und Feuchtwiesen zu bestaunen. Eine kleine Auswahl an Beispielen: Zu den verschiedenen Jahreszeiten blühen uns zur Freude und für die Nutznießer Sumpfdotterblumen, Schlüsselblumen, Blutweiderich, Mädesüß, kleiner Baldrian, Kuckucks-Lichtnelke, Bachnelkenwurz, Scabiose, Glockenblume, Fingerhut, Frühlings-Enzian, Knabenkraut, Herbstzeitlose, verschiedenste Gräser, Farne, Wildrosen, Holunder, Tollkirsche, Bilsenkraut, Seidelbast, allerlei Beeren, Pilze…..

Fazit: Der Wald ist ein schützenswertes Ökosystem und Rückzugsgebiet für viele Arten. Der Wald, unser Freund und CO2- Speicher darf niemals für profitorientierte Windkraftbetreiber geopfert werden!!

Der Waldboden

Er ist ein wichtiger CO2-Speicher und spielt eine große Rolle für die Biodiversität und Artenvielfalt von Flora und Fauna. Durch seine Fähigkeit zur Humusbildung speichert der Waldboden große Mengen an organischem Kohlenstoff und stabilisiert dadurch das Klima. In nur einer Hand voll Waldboden befinden sich große Mengen an Kleinstlebewesen.

Der  Dorfer- und Siggener Wald mit dem wertvollen Waldboden ist sehr wasserreich. Er dient uns als Regenrückhalter bei Starkregen und sehr nassen Jahreszeiten. Er wirkt als Klimaausgleicher, ist kühlend in heissen, trockenen  Sommern.  Durch seine Filter- und Pufferfunktion trägt er maßgeblich zu sauberem Trinkwasser bei.

Fazit: Der kostbare Waldboden darf niemals durch immense Stahllbetonmassen ersetzt werden!!

Wasser, Quellen und Bächlein

Durch den Klimawandel kommt es auch im Allgäu zu immer wärmeren Sommern mit Trockenperioden und regenarmen Perioden. Es entsteht Dürre, die Böden trocknen aus. Wassersparmaßnahmen werden jetzt schon von den Gemeinden erlassen. Wasser ist das kostbarste Elixier auf unserem Planeten. Ohne Wasser kein Leben.

Deshalb gilt für Wasser der höchste Schutzstatus. Der Dorfer-und Siggener Wald ist ein wasserreiches Waldgebiet. Er ist durch Wasserläufe durchzogen, kleine Bächlein führen zu feuchten Bereichen und durch die natürliche Vernässung entstehen selbständig neue Moore. Das Moorkataster von Baden-Württemberg entspricht nicht den aktuellen Gegebenheiten und muss aktualisiert werden. 

Im Wald herrscht ein angenehmes Klima. Selbst in den heissen Sommermonaten der letzten Jahre hat der Wasserspeicher Wald für Abkühlung und Erfrischung gesorgt. Zudem fungiert der Wald durch die Fähigkeit Wasser im Waldboden zu speichern als Wasser-Rückhalt für trockene Perioden. Bei extremen Regenfällen, die  immer häufiger vorkommen, ist dessen Speicherkapazität ein wichtiges Element, Überschwemmungen zu verhindern.

Zahlreiche Weiher befinden sich im und um den Dorfer-und Siggener Wald: Neuweiher, Schlossweiher, Reuteweiher1, Buchweiher, Reuteweiher2. Mit Ihrer Bedeutung für die Biodiversität und Artenvielfalt bedürfen sie des besonderen Schutzes. (FFH).

Zahlreiche Quellen befinden sich im Wald. Sie werden von den Anrainern nach wie vor genutzt. Private Teiche werden damit gespeist, Gärten gegossen und Tiere getränkt. Das Entnahmerecht ist in den jeweiligen Grundbüchern der Eigentümer vermerkt und als Grunddienstbarkeit eingetragen. Das Servitutenbuch( Wasserbuch) führt ebenfalls diese Eintragungen. Diese Rechte aus dem Jahr 1853 zeugen von der Werthaftigkeit und der großen Bedeutung von Wasser:

Bevor der Wasseranschluss der Gemeinden kam, waren diese Quellen als Trinkwasser und auch Brauchwasser für die Landwirtschaft die einzige Versorgung mit Wasser. Diese Quellen haben über Jahrhunderte Wasser gespendet. Massive Baumaßnahmen im Dorfer-und Siggener Wald sollen bei den geplanten Windkraftanlagen vorgenommen werden:

Riesige Flächen sollen durch Zufahrtswege versiegelt und verfestigt werden. Breite Straßen führen zu den Stellplätzen der Windkraftanlagen. Dort sollen fünf Meter tiefe Stahlbetonfundamente im Waldboden versenkt werden. Der Wasserspeicher Waldboden soll durch klimaschädlichen Stahl-Beton, annähernd 10 000 Kubikmeter pro Windrad, ersetzt werden. Ein Rückbau nach Ablauf der Nutzung ist nicht möglich und verbleibt für immer im Waldboden versenkt.

Die Moore, Nassgebiete und vor allem die Quellgebiete werden durch die Erschütterungen der schweren Baumaschinen irreparabel geschädigt werden. Es besteht die Gefahr, dass durch den Waldbodenaustausch, die Bodenverdichtung und die Fundamentierungen die Quellverläufe unterbrochen werden, die Leitungen beschädigt oder die Quellen sogar ganz versiegen werden.

Unser Wald, CO2 Speicher, Frischluftproduzent mit all seinen wertvollen Ökosystemen soll nun durch die massiven Baumaßnahmen der Windkraftbetreiber in einzelne Parzellen zergliedert werden. Dadurch wird der äusserst wichtige Aspekt für unsere Biodiversität, einen Biotop-Verbund zu erhalten, unmöglich gemacht. Durch die Rotation der Windflügel wird der Boden zudem trockener werden und die Wasserspeicher des Waldes bald aufbrauchen.

Fazit: Wasser ist Leben, Wasser macht Leben erst möglich und ist das kostbarste Elixier für die Menschheit. Elektrizität und Stromerzeugung sind diesem Gut unterzuordnen. Stromerzeugung in diesem Wald verstößt gegen GG Artikel 2 Absatz 2.

Tiere

(s. auch Büchele, III, 94 ff. mit Quellenangaben)

Säugetiere

Die Geschichte der Ausrottung der Tiere ist so alt wie die der Menschheit. Manche Tierart verschwand, weil sie dem Menschen lebensbedrohend war, weil der Mensch ihr den Lebensraum streitig machte oder weil sich die klimatischen Bedingungen geändert hatten.

Mammut (Wikipedia)

Nach der Eiszeit, als im Allgäu eine arktische Vegetation allmählich den kargen Boden begrünte und noch weit und breit kein Mensch zu sehen war, wanderten in die eisfreien Gebiete Tiere ein wie Wollnashorn, Moschusochse, Mammut, Rentier, Riesenhirsch, Höhlenbär, Wisent, Wildpferd, Murmeltier, Steinbock, Gämse, Lemming, Schneehase, Schneehuhn und Schnee-Eule. Ein Fragment eines Mammutunterkiefers wird im Wangener Museum aufbewahrt. Und zeugt noch von dieser Epoche.

Sobald aber die Temperaturen einige Jahrtausende später allmählich weiter anstiegen und sich in der Warmzeit eine Klimaveränderung anbahnte, starben manche Arten aus, zogen sich die arktischen Tiere in die Alpen oder in die skandinavischen Länder zurück und machten Tierarten Platz, die in gemäßigterem Klima sich heimisch fühlten, wie z. B. Wolf, Bär, Wildkatze, Wildschwein, Auerochs, Fischotter und viele der heute noch existierenden Arten.

Seit der alemannischen Besiedlung (im Allgäu ab dem 7./8.Jh.) nahmen in unserer Region die Siedlungen immer mehr zu und wurde viel Wald gerodet. Dadurch und durch das herrschaftliche Jagdfieber verloren Tiere wie z.B. Wisent, Auerochs, Wildkatze, Adler, Kranich und Trappe ihren Lebensraum und starben mehr oder weniger aus. Bären, in Ratzenried durch Namen wie Berfallen und Bärenloo seit dem Mittelalter belegt, sind auch nachweislich im 16. Jahrhundert aus unserer Gegend verschwunden. Im Prozess zwischen der Grafschaft Eglofs und der Herrschaft Ratzenried von 1580 ist zum letzten Mal von Bären die Rede, die im Klingler und auch an der Roten Lache (bei Reute) gefangen wurden. Mit großem Stolz ließ Jos von Ratzenried einen Bärenkopf an der Wirtschaft aufhängen. Bis zum 17. Jahrhundert hatten sich die Bären bis in die Allgäuer Alpen zurückgezogen. Doch auch hier wurde ihnen der Garaus gemacht. 1693 zahlte die Herrschaft Waldburg-Wolfegg jedem Bauern 1 Gulden, der einen Bären in |der Nähe der Alpe Rohrmoos erlegte.

Im Gegensatz zu den Bären bildeten die Wölfe in harten Wintern sicherlich eine Bedrohung der Bevölkerung. Sie standen noch im 18. Jahrhundert auf der Abschussliste der Ratzenrieder Jäger. Ihre Ausrottung wurde vorangetrieben, indem der Abschuss einer tragenden Wölfin besser bezahlt wurde als der eines Wolfes.

Ebenfalls im 18. Jahrhundert wurden in unserer Gegend die Wildschweine ausgerottet, die auf andere Art lebensbedrohend waren, indem sie die Ernte schädigten. Der Luchs schließlich sollte erst im 19. Jahrhundert aus dem Allgäu verschwinden; 1840 wurde der letzte im Rettenschwanger Tal geschossen. Den letzten Alpenhasen unserer Gegend – schon 1841 in den Oberamtsbeschreibungen von Wangen und Leutkirch als Seltenheit genannt – erlegte 1885 der Wirt von Beuren im Rotholz.

Die Hirsche waren vor 1848 bei uns noch häufig und bei den herrschaftlichen Jagden als Trophäen beliebt – weniger allerdings bei den Bauern, da sie oft in den Getreideäckern Schaden anrichteten. Nach der Bauernbefreiung von 1848 nahm die Zahl der Hirsche schnell ab, nachdem die Bauern Waldbesitzer geworden waren. Gämsen wurden um 1930 noch bei Christazhofen und Friesenhofen gesichtet, doch sind sie inzwischen bei uns nur noch in den Alpen und vereinzelt auf der Adelegg anzutreffen. Rehe dagegen waren und sind bei uns häufig; als große Seltenheit wurde 1890 in Ratzenried eine gehörnte Rehgeiß geschossen.

Fischotter waren laut Oberamtsbeschreibung von 1841 noch „in ziemlicher Menge“ vorhanden, und auch am Vallerayer Weiher wurde noch einer erlegt. Noch in den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts fing der Hammerschmied von Gottrazhofen mehrere Fischotter an der Argen. Inzwischen sind sie längst ausgerottet.

Fischotter

Der Biber, der ausgerottet war, ist in neuester Zeit durch strenge Schutzmaßnahmen wieder auf dem Vormarsch, ebenso der Bär und der Wolf. Aber immer wieder gibt es Interessenskonflikte zwischen dem Naturschutz und den Bauern.

In neuester Zeit ist eine weitere Säugetierart aufs Ärgste bedroht: das Allgäuer Braunvieh. Entgegen dem ersten Eindruck handelt es sich nämlich beim heutigen Allgäuer Vieh nicht um das Allgäuer Braunvieh, sondern um eine Kreuzung mit der aus den USA importierten Rasse „Brown Swiss“. Dadurch wurden die Tiere größer und schwerer und stieg die Milchleistung an; demgegenüber nahm die Eignung zur Mast deutlich ab. Vom echten Allgäuer Braunvieh gibt es nur noch wenige hundert Exemplare (u.a. bei Anton Albrecht in Enkenhofen), und das Allgäuinstitut setzt sich für den Erhalt dieses typischen Alläuer Viehs in besonderer Weise ein.

Während einerseits Tierarten ausstarben, dringen andererseits invasive Tierarten (wie z.B. der Waschbär) bei uns ein und verdrängen heimische Tierarten. So macht sich auch auf diese Art die Globalisierung negativ bemerkbar.

Fische

Über das Fischvorkommen gibt es wenige Quellen. In den Fischereibüchern der Herrschaft Ratzenried aus dem 18. Jh. werden Hechte, Karpfen und „Ubinge“ (?) erwähnt, die in den Weihern gefangen wurden. Zengerle nennt 1838 die „Gemeine Forelle; sie ist sehr häufig, von vorzüglicher Qualität und in vielen Quellwassern vorkommend.“ Karpfe, Weißfisch und Hecht seien häufig, Schleihe weniger häufig und Barbe schon seltener. Außerdem nennt er Bartgründel, Flussbarsch und Weller. „Diese Fische finden sich namentlich in den Seen von Kißlegg und Beuren, werden oft erstaunlich groß, so dass schon solche Weller von 20-30 Pfund gefangen wurden.

Die Oberamtsbeschreibung von Wangen (1841) nennt Hechte, Karpfen und Weller in den Seen und Weihern, Forellen und Barben in den Flüssen. In der OAB Leutkirch (1843) werden erwähnt: Karpfe, Barbe, Schleihe, Weißfisch, Rotauge, Gräßling (C. Gobio), Brachse, Orfe (C. Jeses), Forelle, Äsche, Huchen, Grundforelle, Hecht, Treische, Grundel, Groppe, Barsch (Perca fluviatilis), Aal und Weller.

Durch Pfarrer Schmid (1931) erfährt man, dass in den Seen, Weihern und fließenden Gewässern Schmerle, Gruppe (Groppe), Barsch, Flussbarsch, Äsche, Alpenforelle, Aal, Hecht, Karpfen, Schleie, Bartgründel, Weißfisch, Barbe und sogar 50- bis 60pfündige Weller (Welse) lebten. „In der Argen und den meisten unserer Bäche (!) stehen Forellen. Die Argenforellen sind die schmackhaftesten (!) und gesuchtesten, weil sie in einem frischen Gebirgswasser (!) leben.“

Seither ist von dem „frischen Gebirgswasser“ nicht mehr viel übrig, und ist der Fischbestand in der Argen stark zurückgegangen. Die Ursachen dafür sind die in die Argen gelangenden Abwässer, Jauche und Herbizide sowie die Kanäle, durch die ein großer Teil des Wassers für die Wasserkraftwerke abgezweigt wird und die Argen zu einem Rinnsal verkommt. Auch hier gilt: „Fortschritt“ und Technik gegen die Natur. Inzwischen kommen der Klimawandel und die damit zusammenhängende Wassererwärmung hinzu.

Die Entwicklung ist erschreckend: Die Fischfauna in Baden-Württemberg ist mehr oder weniger stark gefährdet, was sich im Spiegel der „Roten Liste der Fischarten“ zeigt: Von den ursprünglich 57 einheimischen Fischarten gelten 17 (29,8 %) als ausgestorben bzw. extrem selten, 20 Arten (35,1 %) sind stark gefährdet bzw. selten, 8 Arten (14 %) sind gefährdet und nur 12 Arten (21 %) sind in ihrem Bestand gesichert. (Zahlen nach P. Agn. Naturschutz 1990/91, S, 43

Für die Untere Argen gilt für den Bereich Thalerschachen bis Pflegelberg: Die oben genannten Fische wie Äsche, Flussbarsch, Alpenforelle, Hecht, Schleie und Bartgründel sind ausgestorben, und in den nächsten Jahren werden auf Grund der Wassererwärmung die jetzt schon sehr seltene Trüsche und die Bachforelle folgen. Bei der Letzteren ist die natürliche Fortpflanzung schon seit Jahren nicht mehr nachweisbar (dagegen noch in der Oberen Argen zwischen Staudach und Hiltensweiler). In der Argen kommen noch Kleinfischarten vor wie Mühlkoppe (Groppe), Elritze, Barbe, Schmerle und Döbel (Weißfisch), selten Strömer, Schneider und Aal, als Durchzügler (bei Hochwasser) Hecht und Karpfe (Hermann Steigenberger). Wenn sich allerdings durch die Wärme in den Gewässern Algen explosionsartig vermehren, wird dies ein weiteres Aussterben von Fischen zur Folge haben. Hinzu kommen Kormoran und Gänsesäger, die die Fische dezimieren. Welche Verarmung seit 200 Jahren!

Äsche

Viele Fischereivereine bemühen sich, dem Fischsterben Einhalt zu bieten. Seit 2003 werden in den Bach-Zuläufen zur Argen Seeforellen eingesetzt und in der Argen auch Huchen als Besatzfische. Auch wird durch Kläranlagen versucht, die Wasserqualität zu verbessern und durch den Einbau von Schwellen oder Fischaufzügen die Bedrohung der Fischbestände abzumildern.

Muscheln

Bei den Muscheln sieht es kaum besser aus. Es gibt bei uns nur noch die Teichmuschel, die Bachmuschel lediglich im Schwarzenbach. Die Flussperlmuschel und Malermuschel sind schon lange ausgestorben.

Krebse

Im 19. Jh. gab es noch viele Krebse. Zengerle schreibt 1838, der Bezirk sei reich an Flusskrebsen, und in den Seen von Kißlegg und Beuren gebe es auch „herrliche größere Edelkrebse“ (S. 200) Diese Krebse werden auch in den OAB von Wangen und Leutkirch genannt, in Letzterer sogar der der seltene Kiemenfuß (S. 34). Heute sind sie nur noch in kleinsten Populationen vorhanden. Der Fischereiverein versucht zu retten, was noch zu retten ist (G. Pölzl).

Amphibien

Auch von Amphibien ist in den Quellen nur selten die Rede. Die Oberamtsbeschreibung (1841) nennt den auf der Adelegg bei Rohrrdorf vorkommenden Alpensalamander als Rarität, die OAB Leutirch die Kreuzotter. Und noch 1931 schreibt Pfarrer Schmid: „Eine Spezialität unter den Molchen lebt bei uns im Allgäu. Es ist der schwarze Alpensalamander. Auf ihn stößt man im schattigen, feuchten Argentale.“ Er wurde zwar noch am Ende des 20. Jhs. gesichtet und könnte noch in versteckten kleinen Seitentälern der Argen leben; aber es gibt keinen aktuellen Nachweis und gilt somit als ausgestorben.

Auch bei anderen Amphibien ist die Entwicklung besorgniserregend: Von den Lurchen, Molchen, Kröten und Schlangen sind in Baden-Württemberg 77 Prozent gefährdet. Im Bereich Argenbühl Gelbbauchunke, Laubfrosch und Moorfrosch ausgestorben. Der Kammmolch ist stark gefährdet, ebenso die Kupfer- und Kreuzotter. Schuld an dieser Entwicklung sind die Zerstörung von Feuchtbiotopen und die Straßen. Straßen und Wege zerschneiden Naturräume und erschweren die Biotopvernetzung. Und seit fast alle Straßen geteert sind und die Fahrzeuge entsprechend schnell unterwegs sind, führt dies zum Tod von vielen Insekten und Amphibien.

Zum Schutz der Amphibien engagieren sich in Ratzenried seit einigen Jahren eifrige Helfer: Hunderttausende dieser Tiere wurden beim Bruggweiher und Platzweiher eingesammelt, gezählt und über die Straße getragen. In einem einzigen Frühjahr wurden bis zu 22.000 Tieren gezählt (Erdkröte und Bergmolch; der Kammmolch ist äußerst selten, der Alpensalamander kein einziges Mal ???)). Wegen dieses überdurchschnittlichen Amphibienvorkommens wurde vor einigen Jahren am Artisberger Weiher eine Untertunnelung gebaut; eine solche wird nun auch am Bruggweiher geplant.

Weítere Artikel zu Fledermäuse Vögeln, Amphibien, Insekten usw. werden folgen.

Bäume

Wald

Nach der Eiszeit waren es zuerst die Zwergbirken, Wacholder und Waldkiefern, die den kargen Boden des Allgäus besiedelten und ihm ein tundraähnliches Aussehen gaben.

Nachdem die Temperaturen in der Vorwarmzeit (8200-6800 v. Chr.) weiter gestiegen waren, zogen sich die arktischen Bäume in die Alpen zurück; nur in den Mooren konnten sich einzelne Baumarten behaupten und sind bis heute Relikte der Nacheiszeit – z. B. die Zwergbirke und die Moorkiefer (Spirke). Gleichzeitig mit der Erwärmung des Klimas drängte die Hasel die Waldkiefer stark zurück. In der Folge wurden dann Ulme und Eiche bei uns heimisch und entstand so ein Eichen-Mischwald. In der frühen Warmzeit (6800-5500 v. Chr.) kam dann die Linde dazu.

Erst ab 2500 v. Chr. tauchten Tanne und Buche auf (Buchen-Tannenwald), ab ca. 800 v. Chr. die Fichte. Dieser Mischwald prägte jahrtausendelang das Landschaftsbild des Allgäus, ebenso wie die vielen Seen und Moore. Auf einer Schautafel im Arrisried kann man diese Entwicklung ablesen. In manchen Tobelwäldern entlang den Steilhängen der Unteren Argen hat sich noch manch Ursprüngliches erhalten.

Buchen-Tannenmischwald

Seit der alemannischen Besiedlung wurde der Wald durch die Rodungen und den Holzbedarf immer weiter zurückgedrängt; außerdem war er durch den Wildfraß, die Waldweide (die Kühe weideten das Laub ab und die Schweine fraßen die am Boden liegenden Eicheln), das Harzen, den Verbrauch beim Hausbau, als Brennholz, bei der Kohlegewinnung und den Glasbläsern sowie in den Kalköfen so stark bedroht, dass die Herrschaften immer wieder durch Verbote regulierend einschreiten mussten. Es ist nicht auszuschließen, dass die gewaltigen Rodungen des Mittelalters die im 14. Jahrhundert erfolgte Klimaänderung mit herbeigeführt haben – welche Parallele zu heute und zu den wegen der Windräder gerodeten Wälder!

Wegen der vielen Rodungen gab es im 18. Jh. in Ratzenried nur noch knapp 200 ha Wald (bei einer Gesamtfläche von 1378 ha). Der Wald hatte sich auf rund 1/4 seines ursprünglichen Bestandes verkleinert. Rückzugsgebiete der Wälder waren die steilen Argen- und zur Argen führenden Bachtobel sowie die wirtschaftlich ungünstigen Berghöhen. (Sie sind es bis heute geblieben.) Typisch war immer noch der Mischwald aus Tanne, Fichte, Buche, Esche, Birke, Ulme, Ahorn, Kiefer, Legforche, Lärche, Linde und Eibe. Die Eichen waren in den Wäldern selten; sie säumten die Waldränder, Berghöhen, Weiherdämme und Feldraine oder standen vereinzelt auf dem Feld.

Die Entwicklung vom Mischwald zur Fichtenmonokultur begann in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Nach der bedrohlichen Dezimierung der Waldflächen bis zu diesem Zeitpunkt sollte der Wald möglichst schnell und gewinnbringend aufgeforstet werden – mit der schnell wachsenden Fichte. Die Radikalkur war in Ratzenried besonders drastisch: Schon 1824 gab es hier keine Laubwälder mehr.

Immerhin war in Ratzenried aber durch die Pflanzung von Fichten die Waldfläche zwischen 1756 und 1841 von rund 200 ha auf 354 ha gestiegen. (Trotz der überall im württembergischen Allgäu erfolgten Aufforstung beträgt hier noch heute die Waldfläche nur 28 Prozent gegenüber 37 Prozent in Gesamtwürttemberg.)

Die Entwicklung zur Fichtenmonokultur hat sich – analog zur Grünlandmonokultur – bis heute fortgesetzt und die Laubhölzer auf 5 Prozent zurückgedrängt. Zusätzlich wurden – nachdem in Ratzenried bis 1950 die Waldfläche auf 161 ha gesunken war – ehemalige Wiesen mit Fichten aufgeforstet, so dass es hier 1964 wieder 215 ha Wald gab. Die dunklen Fichtenwälder haben das Gesicht des Allgäus drastisch verändert. Der Wald ist vom Lebensraum zur Holz-Produktionsanlage geworden – soweit er nicht schon durch das Waldsterben zum Friedhof geworden ist. „Bunt sind schon die Wälder“ – ein Lied mit herbem Beigeschmack.

In den letzten Jahrzehnten wurde allerdings der Wert der Mischwälder wieder erkannt, weil die Fichten sehr sturmanfällig sind und dem Borkenkäfer zum Opfer fallen. Allerdings gibt es nun auch das Eichen- und Eschensterben.

Nach den Bemühungen um den Wald droht nun wieder ein Gegenschlag: Die Windräder im Dorfer und Siggener Wald. Wegen der von der Windradlobby getriebenen Politik wird der Wald quasi als ein lebens- und fast rechtsfreier Raum angesehen. Und dabei haben dieselben Politiker vor einigen Jahrzehnten das Waldsterben angeprangert. Der Klimawandel sei schuld. Dagegen soll nun der Wald sterben, um das Klima zu retten!  Während anderswo Wälder neu gepflanzt werden, um klimaschädliches CO2 zu speichern, wird für die Windräder Wald abgeholzt, der bisher eigentlich COs speicherte

Gerade im Zuge des Klimawandels bekommen die Geschlossenheit des Kronendachs der Wälder und der Naturwald statt Monokulturen zentrale Bedeutung. Dagegen würden Windräder große Löcher in den Wald reißen, was gleichzeitig  zur Klimaerwärmung beiträgt. Man setzt durch Abholzen der Wälder riesige Mengen an Treibhausgasen frei, entblößt und verdichtet die Waldböden und wundert sich, dass die dort neu gepflanzten, angeblich „klimaangepassten“ Baumarten wieder vertrocknen. Man tut also im Grunde alles, was wald- und klimaschädlicher nicht sein kann. Die riesigen Windräder würden  unseren Gemeinwohl-Wäldern den Rest geben. Durch Rodungen würden außerdem vermehrt Sturmschäden auftreten, weil der Wind eine größere Angriffsfläche hätte.

Wälder sind Kaltluft- und Frischluftentstehungsgebiete, kühlen die Umgebung um zehn Grad herunter und begünstigen neue Regenentstehung. Zur Klimaanpassung puffert intakte Natur Extremereignisse ab. In Wäldern mit intakten Böden verbleiben über 90% des Niederschlages. Ausgerechnet dort Energieanlagen zu bauen, die  angeblich dem Klima helfen, ist absurd.

Durch die Rodungen und die Windräder verliert das Wild (s. Artikel Tiere) seinen angestammten Lebensraum und wird durch Bodenvibrationen, Lärm, Feinstaub, Luftdruckimpulse, Schattenwurf (s.u. bei Gesundheit) und Waldzerstückelung beeinträchtigt.

Der Wald ist nicht nur ein Refugium für Tiere, sondern auch Erholungswald für Einheimische und Touristen. Indem die Menschen im Wald den Erholungswert des „Waldbadens“ entdeckt haben, wird ihnen auch wieder die Einheit von Mensch und Natur bewusst. Dieser Wert des Waldes würde also zerstört.

Immerhin gibt es noch verhältnismäßig urwüchsige Tobel- und Auenwälder entlang dem Nordhang der Unteren Argen, weil sie schwer zugänglich sind und deshalb dem Profitstreben noch nicht zum Opfer gefallen sind. Es sind in gewisser Weise Reste eines „Allgäuer Urwalds“.. Besonders erwähnenswert sind der Argentalhang in einer Nische im steilen Oberhang mit seinem geißbartreichen Schluchtwald, der Auenwald im Talgrund bei Ahegg/Ratzenried mit seiner Vegetation, der rutschige, quellenreiche Talhang mit kalkreichem Buchen-Eschenwald im Argental zwischen Dürren und Argenmühle und der Geißbart-Schluchtwald im Geißertobel bei Eggen (oberhalb des Arnsberger Steges, auch der artenreiche Buchen-Tannenwald im Buchholz westlich von Ratzenried auf einem Moränenhügel Richtung Geißertobel (Baur S. 47, 48, 56-58, ). Inwieweit diese Beobachtungen aus der Zeit um 1950 noch gültig sind, ist zweifelhaft.

Rückzugsgebiete sind auch die Moore, besonders das Arrisried. Hier existiert noch die oben erwähnte Spirke, die zu den seltensten einheimischen Baumarten gehört und als gefährdete Art auf der roten Liste steht.

Waldboden

Der Waldboden ist Lebensgrundlage für Bäume, Pflanzen, Pilze und Bioorganismen. Er ist an der Grundwasserneubildung beteiligt, speichert Niederschläge, stellt es der Vegetation zur Verfügung und reduziert gleichzeitig den oberflächigen Abfluss, der bei hohen Niederschlägen zum Überlaufen der Flüsse führt. Dabei speichert er das lebenswichtige Wasser und speist damit Quellen. Böden wirken auch als Puffer und Filter gegenüber Schadstoffen. Damit schützen sie insbesondere das Grundwasser. Da sie Kohlenstoff speichern, helfen sie, den Treibhauseffekt zu begrenzen. Zusätzlich sind sie an der Stoffumwandlung beteiligt, d.h. dass Schad- und Nährstoffe umgewandelt, gespeichert und teilweise auch abgebaut werden können.

Durch die Windkraftanlagen und die dafür erforderlichen Zufahrten würden dagegen große Flächen verdichtet und versiegelt, die Flora verdrängt und der Grundwasserverlauf gestört. Die Zufahrten müssten immer wieder für Wartungs- und Reparaturarbeiten unterhalten werden. Aufgrund der Höhe der Anlagen ist eine tiefgründige Verankerung im Boden erforderlich, die massiv in die zu schützende Geomorphologie der Waldgebiete eingreifen würde. Nach Abbau der Windräder bleibt der Waldboden auf lange Zeit geschädigt.

Naturdenkmale

Nur noch wenige inzwischen als Naturdenkmale eingestufte Laubbaumriesen künden in Ratzenried von den Zeiten des bunten Allgäuer Waldes. Von den erwähnten Eichen stehen nur noch rund 10 Prozent des alten Bestandes.

Eichenallee auf dem Damm des ehemaligen Klinglerweihers

Die Eichenallee auf dem Damm des ehemaligen Klinglerweihers dürfte aus dem 18. Jh. stammen. 1841 war der Kögelegg von einem „Kranz von Eichen“ bestanden, von dem heute noch eine einzige vorhanden ist.

An prächtigen Linden gibt es ebenfalls nur noch wenige. Die Dorflinde, 1701 bei der Kirchhoftreppe gepflanzt, die „Friedenslinde“, 1871 anlässlich des Friedens von Frankfurt als mittlere Linde gepflanzt und die vordere Linde sind alle der Dorfplatzgestaltung 1973 zum Opfer gefallen. „Gestaltung“ und Teer statt Natur.

Linde beim Bruggweiher

Eine Besonderheit ist die Linde beim Ratzenrieder Bruggweiher mit einem Stammumfang von fast 10 Metern und einer Höhe von ca. 30 Metern. Sie wurde im Buch „Die hundert schön-sten Bäume Deutschlands gewürdigt und zieht viele Besucher an – nicht zuletzt wegen des Lochs, durch das man schlüpfen und angeblich Krankheiten abstreifen kann.

Ein Naturdenkmal besonderer Art war der Park beim Schloss Ratzenried. Um 1845 pflanzte hier der Graf von Beroldingen beim Schlossweiher und in den „Anlagen“ (Fortsetzung des Parks) eine bunte Mischung von Laubbäumen an. Leider wurden fast all diese inzwischen zu Riesen gewachsenen Bäume des Parks gefällt. Und die Hecke, die einst den Park umgab, wurde samt dem Eingangstor und den 2 Bärenfiguren der Straßenverbreiterung mit unnötiger Abbiegespur geopfert. Somit ist der Charakter des Parks weitgehend verloren.

Obstbäume

(mehr dazu: Büchele II, 436, 704; III, 77 ff., 436, 441, 576 mit jeweiligen Quallenangaben)

Das Allgäu ist als Anbaugebiet für Obst nicht gerade ideal. Freilich darf man nicht vergessen, dass das Klima vor dem Klimawechsel des 14. Jahrhunderts sicherlich günstiger war. Hinweise auf den Anbau von Äpfeln und Birnen in unserer Gegend gehen auf das 15. Jahrhundert zurück. In einem Erbvertrag von 1492 regelten die Vögte von Leupolz die Verteilung des Fallobstes, der Äpfel und der Birnen. Wie umfangreich damals der Obstanbau war, ist allerdings nicht klar.

Erst seit dem 18. Jahrhundert gibt es für Ratzenried diesbezüglich genauere Hinweise. Damals förderte nämlich die Ratzenrieder Herrschaft die Pflanzung von Bäumen und hielt die Untertanen an, „die Bäume aller Orthen wohl zu versorgen, junge Bäume fleißig anzubinden, vor Vieh mit Dörner (Dornen) wohl zu verwahren, mit s. v. (= man entschuldige den Ausdruck) Kuehlachen zu beschütten, zu putzen, Fäulnisstellen mit Salbe aus s. v. Kuhfladen und Letten zu bestreichen und schadhafte Bäum und sog. Krippel auszumustern und neue zu setzen.“ 1774 einigten sich der Ratzenrieder Pfarrer und sein Widdumbauer, dass ersterer „alles zahme und guette Obst (Äpfel, Bieren und Zwetschgen“, letzterer das „wilde Obst“ (Holzäpfel und Birnen) bekomme, die Kirschen aber geteilt werden.

Wie begehrt das Obst war, zeigen auch die Verbote, „Bieren und Äpfel weder bei Tag noch bei Nacht dem anderen abzuschütteln“.

Der Aufschwung des Obstanbaus im Allgäu hängt wahrscheinlich damit zusammen, dass seit dem 17. Jahrhundert das Weintrinken außer Mode gekommen und vielleicht auch zu teuer geworden war. Im Ratzenrieder „Ochsen“ kostete 1781 ein Viertel Wein immerhin 7-10 Kreuzer, dagegen 1 Viertel Holzäpfelwasser 6 Kr. und ein Viertel Bierbranntwein sogar nur 4 Kr.

Dies zeigt, dass bei der Obstverwertung vor allem das Branntweinbrennen eine Rolle spielte. Tatsächlich erhielten verschiedene Ratzenrieder Bauern seit dem 17. Jahrhundert von der Herrschaft die Erlaubnis, Branntwein herzustellen. Zum Brennen verwendeten sie Holzäpfel und -birnen. Obstanbau und Branntweintrinken waren mit der Zeit im Allgäu derart häufig, dass M. Buck dies geradezu typisch für das Allgäu ansah gegenüber dem Weißbiertrinken in Oberschwaben. Freilich geriet das Branntweintrinken schon bald in die Negativ-„Schlagzeilen“. 1770 kritisierte die Ratzenrieder Herrschaft in einem Maiengebot das Überhandnehmen des „schädlichen Branntweintrinkens“ und drohte, dass „diejenige Leut, welche berauscht oder betrunken erfunden werden, ohnfehlbar bestrafft werden.“

Am Anfang des 19. Jahrhunderts muss der Obstanbau wieder nachgelassen haben, denn 1841 beklagte Pauly in seiner Beschreibung des Oberamts Wangen, dass dieser dem Allgäuer fremdartig sei. „Seine Lebensart macht ihm das Obst weniger zum Bedürfnis. Die rauheren Gattungen, welche das Klima ertrügen, weiß man nicht zu verwenden, da der Obstmost keinen Eingang findet; milderes Obst zum Rohessen, Kochen und Dörren bezieht man wohlfeil von den Bodenseegegenden….. Doch sieht man immer mehr auch in den höher gelegenen Gegenden hie und da sorgfältig gehaltene Baumgüter. Auszeichnung verdient in dieser Hinsicht der Gemeinderat Schobloch von Oberharprechts, der seit dem Jahr 1820 eine Baumanlage mit einer großen Baumschule besitzt, deren schöner Stand in der Tat Bewunderung erregt und die von sehr förderlicher Einwirkung auf die ganze Gegend ist.“

Auch in Leutkirch gab es eine nicht unbedeutende Baumschule, aus der hauptsächlich die für den Baumbesatz an den Landstraßen erforderlichen Bäume billig abgegeben wurden. Die in die Orte herein ziehenden Neubürger waren nämlich verpflichtet, auf der Allmende oder an den Straßenrändern zwei Obstbäume zu pflanzen. So waren nun die Straßen gesäumt von langen Obstbaumalleen, was also ebenfalls das Bild des Allgäus prägte.

im Foto oben: Straße von Ratzenried nach Süden mit Obstbaumallee (ca. 1955), ganz oben: Burgruine

Am Ende des 19. Jahrhunderts wurde der Obstanbau durch den Obstbauverein Wangen dann noch weiter intensiviert (Büchele II, 576). Vermutlich erst seit dieser Zeit kam bei uns das Mosttrinken in Mode.

Über die alten Obstsorten gibt es nur wenige Hinweise. Die Holzbirnen und -Äpfel sind sicherlich am ältesten; Pauly nennt im 19. Jahrhundert den „Isnyer Jahrapfel“, eine Art Reinette, und eine in der Isnyer Gegend eigentümliche Birnensorte, die sog. Rotbirne, die besonders zum Dörren geeignet war. Die letzten Bäume dieser Sorte fielen in Eisenharz um 2000 einem Baugebiet zum Opfer.

Auch Kirschen und Zwetschgen gab es bei uns schon in früheren Jahrhunderten; sie wurden häufig zu Branntwein verarbeitet. Pauly empfahl 1841 eine besondere Kultivierung der im Allgäu verbreiteten schwarzen Waldkirsche, da das „aus derselben bereitete Kirschenwasser auswärts guten Absatz findet und selbst nach Frankreich geht“.

Im Jahr 1847 gab es so viele Äpfel, Birnen und Zwetschgen, dass Bauer Kolb aus Reute es für Wert befand, dies auf seinem Stubentäfer handschriftlich zu verewigen.

Hier Zahlen zu den Obstbaumsorten im Oberamt Wangen:

 ApfelbäumeBirnbäumePflaumenbäumeKirschenbäume
18783388822203106284695
1884333102320484673212
1905489342865577141719

Noch in der 1. Hälfte des 20. Jhs. blühte im wahrsten Sinn des Wortes der Obstanbau. 1931 besaß z.B. Bauer Hecht in Alperts: 64 Apfelbäume, 36 Birnbäume, 19 Zwetschgenbäume, 14 Kirschbäume und 3 Pflaumenbäume. Jeder Bauer hatte seine eigene „Buind“ (Boint), d.h. Obstbaumwiese.

Streuobstwiese bei Weihers (Ratzenried)

Viele Apfel- und Birnensorten hatten sich im Laufe der Zeit als für unser Klima ideal herausgestellt. Um 1990 konnte ich durch Befragung erfahren, dass folgende Obstsorten bei uns bekannt waren:

Birnen

Blutbirne
Butterbirne
Gelbmöstler
Goißhirtle
Haberbierê (frühe Tafelsorte)
Holzbirne
Jagdbirne
Luxemburger Mostbirne

Oberösterreicher
Pastorenbirne
Philippsbirne
Rotbirne
Schweizer Mostbirne
Seebirne
Tafelbirne

Äpfel

Allgäuer Kalvill
Ananasreinette
Berlepsch (Freiherr v.)
Berner Rose
Biestenfelder
Bittenfelder
Bohnapfel
Boskpop (gelb und rot)
Boiker
Bräunling
Brettacher
Buier (Most)
Champagner Reinette
Cox Orange
Danziger Kant
Eschacher Mostapfel
Fießers Erstling
Flandrischer Rambour
Gewürzluike
Glockenapfel
Golparmäne
Gravensteiner
Hinznanger
Holstein Cox
Holzapfel
Horneburger Pfannkuchen
Isnyer Jâhrapfel (grün und rot)
Jacob Lebel
Jacobapfel
Jockebacher
Jonathan
Kaiser Wilhelm
Kickacher (= Ravensburger)
Klarapfel

Krügers Dickstiel
Landsberger
Mautzen
Musch (Josef)
Oberländer (Jacob Foischer)
Olgaapfel
Ontario
Orangenapfel (Schweizer)
Pfeffermintapfel
Ravensburger
Reinette von Zabergäu
Roller
Rotapfel
Rote Sternreinette
Ruhm aus Kirchwerder
Russenapfel
Russapfel (frühe Sorte)
Schafsnase
Schöner von Herrenhut
Schöner vom Schussental
Schwaikheimer Rambour
Sießling
Signetillisch
Spitzeknobler
Stettiner („Schneller“)
Taffetapfel („Dapfetepfl“)
Teuringer Rambour
Transparent
Wachsreinette
Weinapfel
Weißer Winterkalvill
Welschisner
Zenderling
Zuccalmaglio

Steinobst

Zipperle (grüne Zwetschgen, ähnlich Reine Claude)
Griêchêlê (blau, ähnliche Form wie Mirabelle)
Griêsbr (Kirsche)

Feldweg zwischen Artisberg zund Valleray. Wie malerisch ist eine mit Obstbäumen gesäumte Straße, und wie kahl, naturfern und leblos ist eine Teerstraße

Seit den 50er Jahren des 20. Jhs. erlitt jedoch der Obstbau gewaltige Einbußen, weil das Biertrinken bequemer und „moderner“ war und die Landwirtschaft durch den „Grünen Plan“ und das Motto „Wachsen oder weichen“ zur Steigerung der Erträge gedrängt wurde. Nun standen die Obstbäume dem Traktor im Weg; auch dem Straßenbau fielen die Baumalleen zum Opfer. Wo Obstbäume noch stehen, werden sie leider kaum mehr gepflegt und verwahrlosen zusehends. Auch auf diese Weise ändert das Allgäu sein Landschaftsbild.

Inzwischen hat man den Wert der Streuobstwiesen als besondere Biotope erkannt und versucht, durch Zuschüsse und Überzeu-gungsarbeit gegenzusteuern. Aber die alten und bewährten Sorten sind größtenteils vergessen und werden durch neue Züchtungen ersetzt, die für das Allgäu gar nicht typisch sind.

Vergleicht man die heutigen Sorten mit den oben aufgelisteten, versteht man, welche Verarmung die Obstbaumsorten erfahren haben.

Hecken

Seit uralter Zeit wuchsen die Hecken an Bächen, Feldrainen und Böschungen, teils als natürliche Zäune, teils als Windschutz, teils ganz einfach deshalb, weil sie nicht „störten“ und außerdem die Landschaft gestalteten. Zudem standen sie an Grundstücks-, Weiler- oder Öschgrenzen. Die Hecken waren besonders wichtig für Vögel und Insekten.

Heute sind die „blühenden Hecken“, die Pfarrer Schmid noch 1931 als malerischen Aspekt des Allgäus rühmte, fast alle verschwunden, weil sie als „unproduktive Bestandteile der Landschaft“ erschienen, dem Traktor im Wege standen oder durch ihren Schatten angeblich eine Ertragsminderung hervorriefen. Letzte Reste von Hecken (meist Schlehenhecken) sind nur noch an Waldrändern zu sehen. Beim Anblick der weitgehend „ausgeräumten“ Landschaft stellt man fest, dass auch in dieser Hinsicht die Monokultur gesiegt und das Gesicht des Allgäus verändert hat.

Letzte Reste davon sind in Ratzenried noch auf dem Steineberg (zwischen Ratzenried und Berg), östlich von Weihers (alte Grenze zwischen Platz und Weihers) und nördlich von Alperts (Grenze zwischen Oberried und Alperts) zu sehen. Solche Hecken waren sogar „Landesgrenzen“: Beispiele dafür sind noch die Hecken südwestlich von Kögelegg/Zimmerberg und südlich von Valleray, Reste der einstigen „Landesgrenze“ zwischen der reichsunmittelbaren Herrschaft Ratzenried und der Reichsstadt Wangen. Weil sie die verschiedenen Rechte abgrenzten, hieß man sie „Friedhag“. So kann man sich leicht vorstellen, dass die Allgäuer Landschaft durch die Vielzahl der Hecken ein ganz anderes Gesicht gehabt haben muss als heute, ungefähr in der Art mancher Landstriche in Schleswig-Holstein, in der Normandie oder in der Bretagne. Die Beurener hießen geradezu „Boscher“, weil ihr Dorf ganz von Gebüsch umgeben war.

Friedhag bei Zimmerberg

Zwar werden in Neubaugebieten um die Grundstücke Hecken gepflanzt, doch auch hier haben durch die Monokultur in Form von untypischen aber „pflegeleichten“ Koniferen Einzug gehalten.

Inzwischen gibt es auch bei den Hecken ein Umdenken, weil man wieder sich daran erinnert, dass die Hecken wichtige Biotope sind und Vögeln als natürlichen Schädlingsbekämpfern Unterschlupf bieten, ja, sogar eine Ertragssteigerung herbeiführen können, weil sie eine optische Belebung der monotonen Landschaft sind, Bodenerosion verhindern, die Windgeschwindigkeit und die Kaltluft verringern und Wasser speichern. Allerdings: Auf den landwirtschaftlichen Flächen wird wohl kein Bauer mehr eine Hecke pflanzen.